Motorrad fahren - ein Partnerhobby?

Mein Mann hat sich seinen Wunsch erfüllt und eine gebrauchte (aber "gut in Schuss" so seine Aussage) Moto Guzzi gekauft. Die erste Probefahrt vor dem Kauf verbrachte ich, steif vor Anspannung auf dem Sozius, angekrallt an die Motorradjacke meines Mannes, der glücklich Gas gab. Bereits bei geringer Beschleunigung fühlte ich mich wie in einem startenden Düsenjet. Durch meine eigene Motorradbekleidung nahm ich keinen Zugwind war, trotzdem konnte ich natürlich am ganzen Körper die Kraft des Motorrades spüren - ein Adrenalinschub ohne Gleichen!

tolle landschaften beim motorrad fahren

Die erste Ausfahrt aus weiblicher Sicht

Die erste Ausfahrt war verregnet. Es war Sommer und wir fuhren zu unserem ersten Motorrad-Treffen, das ein Wochenende mit vielen Ausflügen in die kurvige Umgebung versprach. In der kleinen Pension angekommen, stand ich zuallererst 40 Minuten unter der brennheißen Dusche, um mich aufzuwärmen.

Das Interesse für Motorräder wächst

Anschließend trafen wir die anderen Motorradbegeisterten am Möhnesee in einer kleinen, netten Biker-Raststätte und verbrachten einen entspannten Abend unter Gleichgesinnten, die zu Freunden wurden. Es wurden lustige Geschichten erzählt. Einige handelten von langen und abenteuerlichen Fahrten in ferne Länder. Und dazu Tipps, wie man sich zum Beispiel in Island Motorrad Ersatzteile beschaffen kann. Beeindruckend war, dass viele der anwesenden Männer und Frauen über 10 Stunden auf dem Motorrad gesessen waren - nur um bei diesem Wochenende dabei zu sein. Diese Leidenschaft wirkt ansteckend. Und wenn man genau zuhört bemerkt man, dass es keine Standesunterschiede gibt, auch die Nationalität spielt keine Rolle. Die Faszination des Motorradfahrens verbindet; vereint die Menschen, die sich dafür interessieren auf sehr schöne Art und Weise.

Neue Ideen

Während der darauffolgenden Ausfahrten, genauer gesagt in den Pausen, unterhielt ich mich mit den mitreisenden Damen, die, so wie ich die 40 + überschritten haben, über Gelkissen. Diese sollen, laut Herstellerinformation, das Sitzen auf dem klitzekleinen Teil der Sitzbank gemütlicher machen. So erwies sich unser erstes Guzzi Treffen als äußerst informativ, da ich von der jahrelangen Erfahrung der Beifahrerinnen profitieren konnte.

Geschwindigkeit und Zubehör

Das Wetter wird besser und meine Haltung lockerer. Der Fahrtwind bläst durch meinen ausgeborgten, zu großen Helm, aber ich beginne die Fahrt zu genießen. Zumindest die geraden Strecken bei Tempolimit 80. Sobald es etwas schneller wird, klopfe ich meinem Mann auf die Brust oder auf den Bauch, je nachdem, welchen Bereich ich in eng umschlungener Position zuerst erreiche, hoffend, dass er dies durch die dicke Motorradjacke bemerkt und ich dabei nicht vom Motorrad rutsche.

Alle fahren mit Headset und integriertem Bluetooth. Die Männer können sich somit ganz leicht und bequem miteinander unterhalten, während ihnen das Navigationsgerät den Weg ansagt. Nur ich bin leider noch nicht adäquat ausgerüstet. Das kann und werde ich bei nächster Gelegenheit nachholen. Da mir die derzeit modernen, technischen Details, mit ihrer Vielzahl an Möglichkeiten, vorher nicht bekannt waren, dachte ich einen Augenblick ernsthaft, dass Selbstgespräche beim Motoradfahren normal wären.

unser moto guzzi motorrad

Die Heimfahrt

Die Heimfahrt ist ziemlich spektakulär, da das Wetter wieder schlechter geworden ist. Es herrschen jetzt suboptimale Bedingungen - starker Wind und starker Regen. Zum Glück hatte mein motorradbegeisterter Mann einen zusätzlichen Regenschutz eingepackt. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass er 1m 98 groß ist. Es gibt also keine Fotos von der Heimfahrt!

Die nächste Motorrad Saison

Wir nutzten die Wintersaison mit ihren vielen Angeboten, um uns neu einzukleiden. Eine warme, robuste Motoradhose, ein passender Helm und das Beste eine neue Sitzbank. Ich muss sagen, die richtige Motoradbekleidung und die individuelle Ausstattung, erhöhen den Mehrwert beim Fahren enorm.

Das Jahr darauf fuhren wir wieder zum Motorrad-Treffen. Und es hat mir großen Spaß gemacht. Ehrlich! Mein Mann entdeckte das Cruisen für sich und machte mir damit eine große Freude. Darüber hinaus lernte ich in dieser Saison, dass man Handtaschen nicht zu nah zum heißen Auspuff halten soll und auch nicht die neue Motoradjacke.

Die Zusammenfassung

Mittlerweile bin ich, genauso wie mein Mann und unsere Freunde, ein großer Fan des Motorradfahrens. Man muss in keinen Geschwindigkeitsrausch verfallen, um das unvergleichliche Freiheitsgefühl zu erleben. Die Erfahrung trägt ihren Teil dazu bei, eine schwere Maschine richtig zu handeln und so alles, was eine Motorrad Ausfahrt zu bieten hat, zu genießen. Was mir besonders gut gefällt ist, dass sich alle Motorradfahrer per Handzeichen grüßen. Das ist einfach so persönlich und familiär.

Persönliches

Auch mein Mann freut sich, dass ich nicht mehr nervös hinter ihm herumrutsche. An das Klopfen, mittlerweile erst ab 100 Stundenkilometer, hat er sich gewöhnt. Es gefällt ihm, dass ich mich so vertrauensvoll an ihn schmiege und mich festhalte. Und so lange mein Knie in der Kurve nicht den Boden berührt, ist alles gut!